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Am 13.Juli 2020 verstarb Prof. Roland R. Wauer, ehemaliger Prodekan für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Charité und bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 Direktor der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivtherapie am Campus Mitte, im Alter von 78 Jahren.

Roland Wauer wurde 1942 in der brandenburgischen Stadt Treuenbrietzen geboren und wuchs in Zittau in der sächsischen Oberlausitz auf. Nach dem Medizinstudium 1961-1967 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia und an der Humboldt-Universität Berlin ging er in die Kinderheilkunde und promovierte dort 1969. Er gehörte zu den jungen Ärzten in der DDR, die sich bald nach der Etablierung des ersten Lehrstuhls für Neonatologie in Europa unter der Leitung von Prof. Ingeborg Rapoport dem neuen Fach zuwandten und es technisch wie organisatorisch voranbrachten. Mit Ausnahme von kurzen Unterbrechungen für einen fünfmonatigen Forschungsaufenthalt in Schweden bei Bengt Robertson (1980) und mehrere humanitäre Einsätze in Angola (1982-1984) fand sein gesamtes berufliches Wirken seit 1972 an der Charité statt, wo er sich 1982 habilitierte. Nach der Wende 1990 war er einer der ersten vier Professoren, die von der neu formierten medizinischen Fakultät der Charité vereidigt wurden. Er engagierte sich dort insbesondere für die Chancen jüngerer Ärztinnen und Ärzte und führte schon vor Inkrafttreten des neuen Hochschulgesetzes Juniorprofessuren ein. Nach dem Tod von Prof. Ludwig Grauel leitete er von 2001-2008 die Klinik für Neonatologie und Kinderintensivtherapie der Charité am Campus Mitte, um danach beim Aufbau der Perinatalmedizin in einer Reihe ehemaliger Sowjetrepubliken zu helfen.   

Seine Familie hat mit ihm einen lieben Ehemann, einen herzensguten Vater und einen stolzen Großvater verloren, seine Kollegen und Schüler einen Arzt und Hochschullehrer, der sich beharrlich für ein besseres Überleben von kleinen Frühgeborenen eingesetzt hat und dessen Wirken weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bedeutsam war.

 

Christoph Bührer, Berlin